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Origins 2019

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Ein Anfang. Etwas entwickelt sich, scheint zu entstehen. In Origins experimentiert Oleg Soulimenko mit den Wahrnehmungsmustern des Publikums.

https://tqw.at/event/origins/

Posthumane oder auch prähumane Wesen treiben auf der Bühne ihr Unwesen. Am 28. Februar zeigte das Trio Anna Prokopová, Costas Kekis, Andrea Gunnlaugsdóttir im Tqw Studio „Knuckles become clouds“, was so viel heißt wie „Knödel werden Wolken“. Den großen Abend in der Halle haben Oleg Soulimenko, Magdalena Meindl und Michael Franz Woels mit der Show „Origins“ bestritten.

"Origins": Graue Frau mit Rüssel, in der ein Mann steckt. © Santo Pablo KrappmannSind die posthumanen Knödel noch als menschliche Figuren zu erkennen, mit Kopf und Armen, Bauch und Beinen, so haben die drei Origines in Oleg Soulimenkos Performance, die auf der Bühne trippeln, trampeln und schlurfen, kaum noch (oder noch kaum) Menschliches an sich. Ein schwarzer Mann, in dem eine Frau steckt, schleppt mit schweren Schritten allerlei Zeug, Kabel, Schläuche, Steckkontakte, Seile herbei. Das bunte Gewirr dient nur dazu, wieder zusammengeballt mit Krach auf den Boden zu donnern und wieder weggeräumt zu werden. Der Mann, in dem eine Frau steckt, hat kein Gesicht, ist ein schwarzer Gnom, zur dauernden Arbeit verdammt. Auch eine graue Frau, in der ein Mann steckt, taucht auf. Sie hat einen metallenen Rüssel statt eines Gesichts und versucht emsig, bunte Platten in Dauerdrehung zu versetzen. Ein sinnloses Unterfangen. Das dritte Wesen ist weder Mann noch Frau, trägt statt des Kopfes eine wolkenartige Riesenperücke, in der eine Lampe eingebaut ist. Mit der kann die weiße Riesin / der weiße Riese nicht nur sich selbst, sondern auch ein wenig den Saal, der im Dämmerlicht liegt, erleuchten. Sorgfältig und bedächtig zündet er / sie ein Öllicht an, zieht mit Stäben einen Kreis. Erleuchtung: Ein Schamane bereitet sich auf sein Ritual vor. Aus seinem Körper dringen Piepstöne.

Ritualisiert sind auch die Auftritte und das Tun der beiden anderen Wesen. Sie müssen immer wieder das Gleiche tun, tun dies ernst und behutsam mit Aufmerksamkeit und einer guten Portion Ironie. Oleg Soulimenko, künstlerischer Leiter des Unternehmens, "Origins": Schwarzer Mann mit Fechtmaske.© Alfredo Barsugliadas kein Ziel hat, meint dichtend:

Ich finde es immer hübsch, nach vorn zu gehen, mich ins Unbekannte zu bewegen. Doch dann gehe ich ein wenig zurück, in die Vergangenheit. Denn wenn du schon irgendwo warst, fühlt sich der Platz wärmer an als andere.

Die Soundmeisterin, Mimu Merz, zerrt ihren Rucksack auf die Bühne, holt die Musik heraus, um mit unheimlichen Tönen, Playback-Gesang [ANM.: Der Gesang war natürlich 100% Live, bloß geloopt und geschichtet. :)], eigenen Kehllauten und gewittrigem Krachen die Arbeit der Drei zu unterstützen. Gegen Ende wird die Bühne, um die das Publikum, zur Strafe  für das Vergnügen des Teilhabens, stehen oder auf dem harten Boden sitzen muss, immer heller. Der schwarze Mann, in dem eine Frau steckt, will die Schultern der grauen Frau, in der ein Mann steckt, als Plattform benutzen, um den Plafond zu erreichen, noch einmal kracht das Schlauch-Kabel-Gewirr auf den Boden. Der Zauber ist gebrochen. Aufwachen! Bei der Premiere haben nur wenige den verschmitzten Humor genossen, der in Soulimenkos Œuvre steckt. Die Applausspende war dennoch reichhaltig.
Obwohl ich bei der Polsterverteilung durch die graue Frau, in der ein Mann steckt, leer ausgegangen bin, habe ich die Performance genossen. Oleg Soulimenko hat ein Faible für den Schamanismus: © ImPulsTanz2015Die Genauigkeit von Soulimenkos Arbeitsweise, die Gelassenheit, mit der die Performer (Performerinnen) ihr Werk erledigten, obwohl ihre Sicht ziemlich beschränkt ist und der Unterhaltungsfaktor ergeben einen feinen Abend. Und wer will, kann tiefe Gedanken aus den „Origins“ holen. Etwa, dass da eine Metapher auf das Leben zu sehen war: Immer dasselbe und alles völlig sinnlos.

 

quelle: https://www.tanzschrift.at/buehne/kritisch-gesehen/954-performance-doppelabend-im-tanzquartier

Credits
Konzept, künstlerische Leitung: Oleg Soulimenko
Choreografie, Performance: Magdalena Meindl, Oleg Soulimenko, Michael Franz Woels
Sound, Performance: Mimu Merz
Textunterstützung: Rosemarie Poiarkov
Bühne: Alfredo Barsuglia
Dramaturgische Beratung: Claudia Bosse
Kostüme, Objekte: Till Jasper, Santo Krappmann
Licht: Sveta Schwin
Produktionsleitung: Guadalupe Aldrete
Künstlerische Beratung: Jasmin Hoffer
Eine Koproduktion von Oleg Soulimenko / Vienna Magic und Tanzquartier Wien.
Gefördert durch die Kulturabteilung der Stadt Wien.

Do, 28. Feb / Fr 1. März
19.30 Uhr
TQW Halle G